Mitgliederbrief Januar 2012 - Mit einem Erfahrungsbericht des Leipzig-Houston Jugendaustausches
Liebe Mitglieder und Freunde der Städtepartnerschaft Leipzig – Houston,
Mit guten Vorsätzen und einem frühen Mitgliederbrief wollen wir das neue Jahr beginnen. Dabei kommen die vier Schülerinnen Melanie Schulz, Sarah Falkenstein (beide Leibniz Gymnasium), Susanne Unrein (Schiller Gymnasium) und Thai Hang Do (Reclam Gymnasium) zu Wort, die im letzten Oktober in Houston waren. Dieser Bericht ist als interkulturelle Wahrnehmung gut geeignet zur Vorbereitung auf Houston Besuche. Gleichzeitig soll dieser Bericht die Planungen des Jugendaustausches 2012 einleiten, zu dem wir Projektmittel bei der Stadt Leipzig beantragt haben.
Wir drucken im folgenden einen Text von Susanne Unrein und Sarah Falkenstein, an dem Melanie Schultz, Thai Hang Do mitgearbeitet haben, über ihre Erfahrungen In Houston und wünschen Ihnen viel Freude beim lesen der drei Kapitel Texas, NASA und Schule:
1. TEXAS: Howdy heißt es aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten für How do you do ? und die Antwort: Wundervoll ! Wir 4 Mädchen aus Leipzig, Melanie (17) , Sarah (16) , Susanne (19) und Thai (17), machten uns am 16. Oktober mit dicken Jacken und festen Schuhen auf den Weg ins ferne Texas und saßen schon am darauffolgenden Tag mit kurzer Hose und Flip Flops in der High School oder horchten bei einer Gerichtsverhandlung zu, allerding adrett gekleidet wie Thai. Sie machte die Bekanntschaft mit der Richterin Rendon, die ihr bei einer Verhandlung den Platz neben sich anbot, um den Prozess von einem anderen Blickwinkel verfolgen zu können.
Die ersten Begegnungen mit den Texanern bestätigten unsere Vorstellungen von offenen, entspannten und freundlichen Amerikanern. Schwieriger als erwartet gestaltete sich der Transport von A nach B, da das öffentliche Verkehrsmittelsystem in Houston nicht so ausgebaut ist wie in bei uns Leipzig. Denn wie Steve Braun, 2011-Präsident des dortigen Städtepartnerschaftsvereines so schön sagte: „Es gibt genug Transportmöglichkeiten, man muss sie nur besitzen.“ Das Straßennetz ist jedoch sehr gut ausgebaut und es scheint fast so als würde es mehr Autos als Einwohner geben. Uns ist außerdem aufgefallen, dass der Nationalstolz der Amerikaner unverkennbar ist, da so gut wie an jeder Ecke eine amerikanische Flagge weht. Auch die patriotische Halbzeit, die wir bei einem Footballgame beobachten konnten, bestätigen die Haltung der Amerikaner zu ihrem geliebten Land.
Jedes Mal wenn wir Richtung Downtown fuhren, raubt es uns beim Anblick der fantastischen Skyline fast den Atem. Die Stadt bietet eine Menge an weiteren sehenswerten Gebäuden und Parks, wie dem Chase Tower oder dem Memorial Park. Der Zoo, die Art Gallery sind außerdem einen Besuch wert.
2. NASA: Noch nie zuvor haben wir uns in einem ‚Control Center‘ oder neben einem riesigen Raumschiff befunden. Heute war das erste Mal ! Der Besuch bei der NASA stand auf dem Programm. Das Thema Raumfahrt nähert sich dem Bereich des Unvorstellbaren. Man erfährt und sieht Dinge die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Noch nie haben wir in einem Cockpit eines Shuttles gesessen, noch nie in einem Control Center gestanden oder mit einer ehemaligen Fluglotsin gesprochen, heute mit Linda Ham ! Whowe ! Linda Ham hat uns während der Zeit im Johnson Space Center viele Sachen vermittelt, uns in Bereiche geführt die für andere Touristen gar nicht zugänglich sind. Die Ausmaße eines Shuttles, das heißt sowie Außen – als auch Innenbereiche, hat man sich vorher nicht in solch großen Dimensionen ausgemalt. Das Übungszentrum für Astronauten haben wir vorher besichtigt. Dieses war nicht weniger beeindruckend. Interessant war die zeitgeschichtliche Entwicklung. Eine Zeittafel mit den verschiedenen Missionen seit es bemannte Raumfahrt gibt, war auch zu sehen. Es muss ein unheimliches Glücksgefühl sein, unsere Erde von außerhalb der Atmosphäre zu betrachten, etwas was uns nicht unbedingt ereilen wird. Wir können nur mit Berichten und Bildern mit fiebern, aber das reicht meist schon um ein kleines Kribbeln zu spüren.
3. SCHULE: In eine neue Schule zu gehen ist anfangs nicht immer leicht. Man findet nicht sofort Anschluss und muss neue Kontakte zu knüpfen. Ganz anders ist es hier in Houston, in Amerika sicher generell. So ging es uns zumindest als wir das Klassenzimmer betraten. Freundliche Blicke, aufgeschlossene Gesichter mit einem freundlichen Lächeln. Dabei sind wir vier Leipziger Mädel überhaupt nicht schüchtern oder unselbstständig, schließlich haben wir es die 8000 km bis hier her geschafft. Jeder einzelne amerikanische Schüler trat uns mit einem freundlichen „Hey, whats up, where are you from?“ entgegen. Das macht es einfach und unkompliziert. Die Fächervielfalt ist sehr interessant. Zu belegen sind nicht nur Physik, Mathe oder Biologie, wie in Deutschland, sondern auch ‚Chor‘, ‚Kochen‘ oder ‚Deutsch als Fremdsprache‘. Besonders den zuletzt genannten Unterricht mitzuerleben ist ein Erlebnis. Viele der Schüler können außerordentlich gut Deutsch sprechen. Unterrichtet wird an manchen Schulen von Deutschen, die nach Amerika gezogen sind oder von Einheimischen, die selber Deutsch gelernt und studiert haben, gegeben. Wahrscheinlich ist es lehrreicher es bei einem Muttersprachler zu erlernen. Besonders positiv ist uns aufgefallen, dass der Umgang mit den Lehrern "sehr locker" ist. Im Unterricht besteht nicht dieses typische Lehrer- Schüler Verhältnis wie wir es aus deutschen Schulen kennen, sondern es herrscht eine Atmosphäre die das Lernen einfacher und schöner gestaltet. Wir haben den Eindruck, dass die Schüler dadurch motivierter sind und von allein viel mehr leisten. Das könnte sich in unseren Schulen durchaus auch durchsetzen.
Weiter ist uns aufgefallen, dass auch körperlich und geistig behinderte Schüler, hier heißt das sehr positiv physically or mentally challenged kids in den Unterricht einbezogen werden. Sie gehen also mit den anderen Schülern in die gleichen Klassen. Nun kann man darüber geteilter Meinung sein, doch wir fanden es gut, das ist Integration. Anmerken wollen wir auch, dass in deutschen Schulen die Abwechslung der einzelnen Fächer größer ist. Man hat nicht jeden Tag das gleiche Unterrichtsfach und damit gestaltet sich die Schulwoche interessanter.
Das amerikanische Schulsystem mitzuerleben ist eine Erfahrung wert auch wenn sie nur zwei Wochen dauert. Wir bedanken uns sehr bei allen Förderern unseres Austausches, der Stadt Leipzig, den Städtepartnerschaftsvereinen in Leipzig und in Houston und den Leipziger Rotariern, die mit ehrenamtlichen Engagement unsere Träume und Ziele Wirklichkeit werden lassen.
Mit freundlichen Grüßen von und im Namen aller Vorstandsmitglieder,
Ihr
Dr. Wolfgang Zimmermann